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Angelschnur
der feine Faden zum Fisch
Neben der Angelrute und Rolle ist die Angelschnur die dritte wichtige Komponente einer richtigen Gerätezusammenstellung. Unterschieden wir früher lediglich monofile Schnüre nach Zusammensetzung, Verstreckung und Dehnungsfaktoren, so sind seit fast einem Jahrzehnt die geflochtenen Schnüre nicht mehr aus der Raubfischangelei wegzudenken. Auch spezielle Schnüre für besondere Einsatzfälle wie Fliegenschnüre oder extra-schwere Schleppschnüre gehören zum heutigen Angebot. Wie wählt der Angler jedoch aus diesem gewaltigen und teilweise verwirrenden Angebot aus?
Monofile Schnüre
Monofile Schnüre bestehen lediglich aus einer Faser (Molekülkette), die je nach gewünschtem Verwendungszweck mehr oder weniger stark gestreckt worden ist. Bei hohem Grad der Verstreckung bekommen wir eine relativ reißfeste, dehnungsarme jedoch auch spröde Angelschnur. In der Regel ist diese hochverstreckte Schnur recht empfindlich gegen Abrieb und Kerbwirkung, so dass eine anfänglich hohe Tragkraft schnell reduziert wird. Für Spinnfischer interessant ist bei diesen Schnüren die recht geringe Dehnbarkeit.
Niedrig verstreckte Schnüre sind dagegen eher weiche, stark dehnbare Molekülketten, die sich durch besonders lange Haltbarkeit auszeichnen und in der Regel durch ihre Weichheit auch besser auf der Rolle liegen. Die
Perückengefahr
ist deutlich niedriger. Meiner Meinung nach ist die etwas geringere Tragkraft kein großes Problem, allerdings geht auf größere Angeldistanz der Kontakt zum Köder verloren und ein wirkungsvoller Anhieb ist nicht mehr zu setzen.
Der große Vorteil monofiler Schnüre liegt in ihrem günstigen Preis und geringeren Sichtbarkeit. Fluorocarbon ist ein neues Monofilmaterial, das zwar in der Reißfestigkeit noch etwas geringer liegt, jedoch durch einen dem Wasser angenäherten Brechungsindex ein Minimum an Sichtbarkeit aufweist. Insbesondere als Vorfachschnur für sehr scheue Fische (Forellenfischerei, aber auch Barschangelei) hat dieses neue Material Einzug in viele Angelkisten gehalten. ACHTUNG! Fälschlicherweise wurde Fluorocarbon in der Presse auch als gutes, zahnfestes Material vorgestellt. Besonders bissfest ist Fluorocarbon keinesfalls und sollte deshalb nie als Hechtvorfach eingesetzt werden. Hardmono wird diesbezüglich viel diskutiert. Es besitzt eine erhöhte Abriebfestigkeit und scheint in sehr großen Durchmessern eine gewisse Sicherheit zu bieten. Große Durchmesser sind jedoch häufig ein größeres Problem als die eigentliche Sichtbarkeit einer Schnur.
Geflochtene Schnüre
Diese Erkenntnis hat insbesondere zur Entwicklung geflochtener Hochleistungsschnüre geführt. Bei uns diese
Polyfile
hauptsächlich bekannt unter
Dyneema-Schnüren
, obwohl dies lediglich ein Markenname für eine äußerst feine PE-Faser ist. In Amerika werden diese Schnüre als
Spectra-fibre
verkauft. Diese Fasern, egal wie sie genannt werden, sind extrem hoch verstreckt und damit reißfest. Um im Wettbewerb um
günstigste Preise
besonders gut dazustehen, werden Billigschnüre auch mit Billigfasern verflochten. Die Billigstversion wäre dann das gute alte
Dacron
. Trotzdem, teuer werden diese Schnüre auch durch ihre Verarbeitung. Aufwendige Flechtverfahren mit sehr geringem Maschinenausstoß pro Stunde (wenige Meter!) machen dieses Produkt teuer.
Schnellflechtungen
haben für eine höhere Produktivität deutlich größere Flechtpunktabstände und auch einfachere Flechtverfahren. Das Ergebnis ist zwar wieder ein günstigerer Preis, aber auch eine
platte
Schnur, die mit den großen Flechtpunktabständen auch deutlich mehr Dreck und Wasser aufnimmt. Achten Sie unbedingt darauf, diese Probleme zu vermeiden. Schwere, nasse Schnüre sind Gift für gute Köderpräsentation und insbesondere
Kontakt
zum Köder.
Meine Idealschnur
ist rund und eng geflochten und hat eine gute Oberfächenbehandlung. Wer einmal mit solchen Schnüren gefischt hat, möchte sie nicht mehr missen. Diese Schnüre sind extem dehnungsarm und superdünn. Bei konstanter Tragkraft sind Dyneema- oder Spectra-Schnüre deutlich dünner als Monofile und praktisch unbegrenzt in der Lebensdauer. Die Lebensdauer liegt in einer UV-Beständigkeit begründet. Damit sind die anfänglich hohen Anschaffungskosten doch der bessere und vor allem günstigere Weg, lange effektiv und sicher zu fischen. Übrigens: Nicht alle Oberflächenbehandlungen sind wirklich gut und von Dauer. Sogenannte
Fusion-Schnüre
sind für einige Zeit wirklich toll zu fischen. Die reißfesten Fasern sind hierbei wenig verflochten, jedoch mit einem Schutzmantel aus Kunststoff überzogen. Man kann sich das ähnlich einem isolierten Kabel vorstellen, wobei der Schutzmantel die Schnur dicker macht und effektiv nicht zur Reißfestigkeit beiträgt. Der Mantel verschleißt mit der Zeit und derartige Schnüre wirken nach einiger Zeit wie Stacheldraht, wobei die Tragkraft häufig nicht spürbar nachlässt.
Bitte beachten Sie, dass Flechtschnüre im Durchmesser sehr schwer messbar sind. Deshalb sind die erstaunlichen Durchmesser- und Festigkeitsangaben auch immer mit größter Vorsicht zu genießen!
Sonstige Schnüre
Bei Fliegenschnüren ist nicht die Reißfestigkeit, sondern
Schuß- bzw. Roll- und Flugfähigkeit
gefragt. Eine wirklich gute Fliegenschnur gleitet perfekt durch die Rutenringe, bewegt sich besonders geschmeidig in der Luft und rollt sanft auf das Wasser. Ein gute Oberflächenbeschichtung verleiht dieser Schnur eine erhöhte Lebensdauer. Etwas Pflege und Schonbehandlung verlängert die Lebensdauer und Wurfeffektivität der Schnur.
Für Schleppfischer hochinteressant ist eine neuartige Flechtschnur mit Bleikern. In regelmäßigen Abständen unterschiedlich gefärbt, lässt sich eine erfolgreiche Schnurlänge/Schlepptiefe immer wieder problemlos reproduzieren. Diese sehr eigenschwere Schnur erlaubt das Schleppen auch kleinster Köder in großer Tiefe. Sie werden staunen, wie tief plötzlich ihre Miniwobbler und Shads tauchen. Zwar sind größere Tauchtiefen auch mit Vorschaltbleien und Paravanen möglich, jedoch ist sowohl der Köderlauf, als auch der Drill eines gehakten Fisches mit
direktem Kontakt
deutlich besser. Für den Einsatz dieser Schnüre ist es wichtig, entweder sehr große Spulendurchmesser oder Multirollen zu verwenden, weil die Schnur sonst nicht optimal abläuft.
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