Drei Stufen zum Hotspot!
Bericht von Uli Beyer Große
Gewässer sind schwer zu knacken. Ein Drei-Stufen-Plan
bringt Euch auf die Schliche der kapitalen Räuber.
Je größer ein Gewässer, desto größer
sind oft die Hechte und Zander. Aber wie man sie fängt,
wissen nur ein paar Spezialisten. Steht wieder ein 30-Pfünder
in der Zeitung, pilgern Angler in Scharen herbei. Jeder
will den Fisch seines Lebens fangen. Doch die Kescher
bleiben leer, die Mienen entgleiten ins Ratlose. Die
alten Hasen grinsen. Haben sie nicht immer gesagt, man
braucht Jahrzehnte, um ihren See richtig kennenzulernen?
Ich meine, das geht viel schneller. Was Ihr braucht,
sind ein Boot und im Idealfall ein Echolot. Ich möchte
Euch erklären, wie ich in Kürze Großgewässer
wie den Möhnesee geknackt habe.
Ich gehe mit einer Drei-Stufen-Methode vor. Mein Ziel
ist es, die besten Plätze für große
Räuber zu finden.
STUFE 1
Zunächst steht man wie ein Ochs vorm Berg: Wo soll
ich bloß anfangen? Erste Anhaltspunkte kann ein
Blick auf die Tiefenkarte oder ein Gespräch mit
Einheimischen geben. Doch Vorsicht: Diese Tipps bekommt
jeder, deshalb sind die Stellen stark beangelt.
Es hilft nichts, wir müssen rudern, um die ganze
Wasserfläche zu erkunden. Wenn ich ein Gewässer
erforsche, habe ich zwei Ruten montiert und schleppe
systematisch die Wasserfläche ab. Auf dem Echolot
erkenne ich schnell, wo sich die Fische ballen. Im Idealfall
fange ich schon beim Schleppfischen den ersten Fisch.
Finden statt fangen
Diese Angelei empfinde ich aber als oberflächlich.
Nur ganz gierige Räuber fallen auf einen daher
gezogenen Köder herein. Es geht mir beim Schleppen
nicht ums Fangen, sondern ums Finden von Plätzen.
Vielleicht ändert sich das einmal, wenn ich älter
bin und mein Körper mir nicht mehr erlaubt, den
ganzen Tag "schwer zu arbeiten"
Vom Möhnesee weiß ich zum Beispiel: Je kälter
es wird, desto mehr Fische versammeln sich im tiefen
Wasser vor der Staumauer. Im Frühjahr, mit den
ersten Sonnenstrahlen, wendet sich das Blatt. Futterfische
und Hechte ziehen ins wärmere Flachwasser.

Stufe 2 Driftangeln (dazu folgt später vielleicht
ein umfassender Zusatzbericht!)
Man könnte die Plätze, wo sich die Fische
ballen, solange abschleppen, bis sich endlich ein Räuber
erbarmt und zubeißt. Das muss aber nicht funktionieren,
wie ich gerade erst wieder am Wochenende feststellen
musste. Als aktiver Spinnfischer bevorzuge ich aber
auch mit Schlepperfolgen dennoch das Wurfangeln und
den direkten Kontakt zum Fisch. In der Regel ist diese
Technik auch deutlich erfolgreicher als einfaches Schleppfischen.
Leider ist die Wasserfläche "mit Fisch"
immer noch sehr groß. Berge, Kanten, Plateaus
- bei uns im Möhnesee sogar Reste alter Ortschaften,
Häuser, Straßen und Flußläufe,
die sich teils schrecklich weit ausdehnen.
Zum Absuchen dieser fischreichen Flächen benutze
ich einen Driftsack. Es ist erstaunlich, wie wenige
Angler diese Wunderwaffe kennen. Immer wieder muss ich
Leuten die Funktion erklären. Es ist nichts anderes
als das Gegenteil eines Segels - es verzögert mit
seinem Wasserwiderstand im Wasser die schnelle Drift
und ist einfach eine geniale Hilfe! Zumal Motoren, mit
denen langsames Driften möglich wäre, auf
den meisten Gewässern verboten sind. Ich gestehe
aber, dass ich neuerdings sehr, sehr gern mit meinem
E-Motor und Fernsteuerung den Driftsack öfter ersetze,
wenn der Wind nicht zu stark wird!
Ich denke, Driftsäcke sind ein Muß für
jeden Bootsangler. Sie arbeiten wie ein bremsender Fallschirm.
Mit ihrer Hilfe treibt mein Boot auch bei starkem Wind
nur langsam über den See. Das ist sowohl bei der
sorgfältigen Fischsuche, als auch für den
Drill ein wichtiges Hilfsmittel.
Zweimal Gummi
Ich fische mit zwei Gummifisch-Ruten gleichzeitig! Mit
einer Rute werfe und suche ich. Die zweite Rute versehe
ich, je nach Wassertiefe, mit einem 30 bis 60 Gramm
schweren Bleikopf (im Schwerpunkt befestigt, damit der
Haken waagerecht hängt) und einem 23-Zentimeter-Gummifisch.
Diesen Köder lasse ich auf den Grund sinken, ziehe
ihn einige Zentimeter hinauf und lege die Rute ab. An
manchen Tagen bekomme ich beim Driften mehr Bisse auf
den dahinschlabbernden Gummifisch als auf den aktiv
geführten.
Die Rute sollte sehr hart sein, der Haken dünn
und superscharf, weil sich die Räuber meist selbst
haken müssen. Schon beim Biß soll der Haken
fassen - dennoch gibt's viele Fehlbisse - umso mehr,
je tiefer das Wasser wird.
Bei der Drift muß man von Zeit zu Zeit die Wassertiefe
auf dem Echolot kontrollieren. Ist es tiefer geworden,
gibt man Schnur; wird es flacher, holt man ein.
Wer Köderfische hat, kann noch "gemeiner"
werden. Mit Seitenbleimontage oder einer Schlepp-Pose
läßt sich auch ein Naturköder schleppen.
Diese Methode fängt noch besser, geht aber gegen
meinen Ehrenkodex als Kunstköder-Angler
STUFE 3
Eigentlich ist die Fischerei mit dem Driftsack so effektiv
und so spannend, daß man dabei bleiben könnte.
Gäbe es nicht einen Nachteil: Auch mit dem Driftsack
treibt man, obgleich langsam, über die heiß
begehrten Hot Spots oft zu schnell hinweg; über
Plätze also, die im fischreichen Gebiet noch einmal
besonders vielversprechend sind. Hier sollte man länger
verweilen.
Behalten Sie das Echolot im Auge. Sind Großfische
zu sehen? Ist die Struktur des Bodens besonders markant?
Dann haben Sie vielleicht einen Top-Platz entdeckt.
Auf großen Gewässern ist es schwierig, sich
zu orientieren. Deshalb blicke ich immer wieder zum
Ufer, peile Punkte wie Bäume, Stege oder Häuser
an. Ich muß wissen, wo ich gerade treibe. Erst
recht, wenn ich einen Biß hatte. Gerade auf großen
Wasserflächen steht ein Räuber nämlich
selten allein. Die Kunst besteht darin, diesen Punkt
so exakt wie möglich wiederzufinden.
Boje
über Bord
Wenn Sie kein Risiko eingehen wollen, sollten Sie den
Platz sofort markieren. Mit moderner Technik wird ein
Waypoint auf dem Hand-GPS gesetzt. Das geht aber auch
sehr gut konventionell mit einer Markierungsboje, wie
sie amerikanische Schwarzbarsch-Profis verwenden. Diese
H-förmigen Gebilde werden einfach ins Wasser geworfen,
ein Blei wickelt die Schnur von der Boje, und sie verharrt
weit sichtbar am Platz.
Es wäre fatal, sofort nach einem Biß die
Ankerkette hinunterrasseln zu lassen. Jeder halbwegs
kluge Räuber würde das Weite suchen oder zumindest
nicht mehr fressen.
Nein, ich drifte einfach weiter, bereite mich auf das
Ankern vor und schleiche mich im großen Bogen
wieder an. In gutem Wurfabstand lasse ich leise den
Anker hinab und untersuche den gefundenen Platz. Die
Markierungsboje ist dabei eine große Orientierungshilfe,
mit deren Hilfe ich interessante Bereiche sogar aus
unterschiedlichen Richtungen gezielt abangeln kann.
Wiederholt habe ich nämlich festgestellt, dass
die "richtige Perspektive", d.h. die richtige
Wurfrichtung auf einen guten Angelplatz von besonderer
Bedeutung sein kann.
Werfen und wickeln
Stationär bin ich mit der Spinnrute am effektivsten
und kann systematisch alles abfischen. Tut sich nichts,
fange ich mir meine Boje wieder ein. Folgen weitere
Bisse, merke ich mir die Stelle anhand von Peilpunkten
am Ufer oder behalte den gespeicherten Waypoint in meinem
GPS-Gerät.
Mit der Zeit lernt man, nicht bei jedem Buckel am Grund
die Boje zu werfen. Man muß eine Nase dafür
entwickeln, wo es sich lohnt. Wer 20 Mal umsonst die
Boje geworfen und wieder aufgewickelt hat, setzt seine
Reizschwelle höher, vor allem im Möhnesee
bei Wassertiefen über 10 Metern.
So lerne ich mit der Zeit ganz systematisch ein Gewässer
kennen. Ihr werdet staunen, wie viele neue Stellen Ihr
plötzlich in einem See findet, der schon seit Jahrzehnten
befischt wird.
In der Regel seid Ihr an solchen Plätzen ganz allein.
Sagen wir: fast allein. Da sind ja noch die kapitalen
Hechte und Zander
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